Prost auf die Kunst! Ulli Rödder entwarf das "Sportsbarbier"

Kölner Express 26.05.06

Die Freiheit im Spiegel der Kunst
VON JÜRGEN KISTERS, 11.08.06.......Dass ein tiefer Riss wie eine klaffende Wunde durch die moderne Welt geht, zeigt Ulli Rödder mit einer zerschnittenen Leinwand. Dieser Schnitt macht eine schonungslose Gewalt sichtbar, die die Menschen in Täter und Opfer, Starke und Schwache, Privilegierte und Verlierer, Arme und Reiche teilt. 

Ullrich (Ulli) Rödders Bildkompositionen besitzen ihren Wiedererkennungswert in seiner Verarbeitung von groben und feinen Leinenstoffen, was sein bevorzugtes Material betrifft, und der Bevorzugung von quadratischen und rechteckigen Formen.

Seine eher gesellschaftskritischen Aussagen finden bei Ulli Rödder eine höchst sanfte und feinsinnige Aussageweise duch die Verwendung und für ihn typische Komposition der einzelnen Materialien.

Die Formen erwachsen oft aus der Mitte heraus, bilden einen manchmal eindimensionalen, aber meistens tiefendimensionalen Gesamteindruck.Er arbeitet mit den Materialien solcherart, dass seine gedanklichen Verbindungen sich in den konzipierten Ebenen der Bilder widerspiegeln.Die gesellschaftskritischen Gedanken sind gefühlvoll abstrahiert und ihre komplexen Verknüpfungen sind fast gleich zu setzen mit seiner Arbeit auf mehreren Bildebenen. 

Seine Kunst ist sensibel, aber vordergründig eher auf Zusammenhangslogik aufgebaut, Emotionen sind beim Betrachten der zur Form gewordenen Gesamtaussage wohl dosiert und nie plakativ realisiert oder gar moralisch, dennoch ist der Gedankenfaden klar, analytisch und ohne vertrackte Anklage. Viele Bilder wirken wie ein kritisierenswürdiger "Ist-Zustand", von dem er sich in seinen Darstellungen durch die Bildaussagen entschieden distanziert und diesen aus seine Art indirekt ablehnt. 

Das Mittel des Indirekten als sein Charakteristikum ist, mit  Pars pro Toto zu arbeiten, denn selbst kleine Details haben Symbolcharakter für etwas Gesellschaftliches, das heutzutage ohne Umschweife benannt werden kann.

Das Ursache und Effekt - Denken von Ulli Rödder verschwendet weder Platz, noch zuviel Materialmenge, was den derzeitigen Stand der Erkenntnis deutlich widerspiegelt, nämlich dass recht viel schon gesagt und getan wurde,und die Karten des Gesellschaftsspiels schon offen auf dem Tisch liegen.

Bei diesem Stand der Dinge bringt auch er die Dinge schon auf den Punkt, aber ohne Verzweiflung oder gar überemotionalem Erklärungseifer.

Seine Kunst existiert deutlich im Jetzt. Seine Serien "Verletzlichkeit der Kunst" und auch ""Kunst und Mode" beschreiben mit den genannten Techniken und stofflichen Verarbeitungsverfahren schon kritische Zerfallsmomente gesellschaftlicher Gegebenheiten. Diskrepanzen, Zerstörungstendenzen, falsche Verhältnisse, unüberwindbare Unterschiede und Ausbeutung finden sich als Thematiken in seinen Bildern. Es sind gleichzeitig Zustände, aber auch Warnungen und Aufforderungen zum genauen Hinschauen und Verstehen lernen ohne zuviel Aufregung, aber durch klare analytische Gefasstheit.

Claudia Heib M.A. Mai 2006

Ullrich Rödder seine Arbeiten von der „Verletzlichkeit der Kunst“ zeigen Leinwandarbeiten mit, teils verleimter, teils vernähten Nesselstoffflächen. Gerissen – teils mit liquiden Karrhakteeren weißen Ölfarbausflüssen benetzt durch einzelne Sprenkler und Kleckse in Gouache versehene Flächen. Aufgerissene in Harz aufgegossene Nähte, mal in Fädchendichte, mal als dicker Kordel.

Die kleinen Arbeiten wirken wie kleine ausgefranste Stoffbriefmarken, dessen Wert sich, im Gegensatz zu Rödder´s Werken, sich im Sonnenlicht für immer verflüchtigt haben. Feinste Leinenstrukturen in perfekt Anmutender Harmonie zum Ganzen.

Filigran und durch Nassleim leicht wirkend – eben sehr verletzlich – wie die Kunst. 

Sonja Braun (Kunstjournalistin Frankfurt/M.) November 2005

Zur Kunst und dessen Verletzlichkeit stehend ist Ullrich Rödder seine Empfindlichkeit, die sich von jeglicher Beliebigkeit abhebt. (...)

Elmar Fleischmann (NZZ) Mai 2005